Betrachtet man sich mal unvoreingenommen die aktuellen Scheidungsraten, so
muss man doch ganz unromantisch feststellen: Die Liebe hat es nicht leicht.
In ländlichen Regionen wird mittlerweile jede dritte, im städtischen
Gebiet sogar jede zweite Ehe irgendwann geschieden.
Doch eine Scheidung ist nicht immer das Ende aller Dinge. Und das ist auch gut
so. Manchmal ist sogar eine Freundschaft "danach" sinnvoll. Doch
das Unternehmen ist gar nicht mal so einfach.
Am Anfang einer Liebesgeschichte weiß natürlich noch niemand, dass die Sache einmal ein unheilvolles Ende nehmen könnte. Die Partner haben nur Augen für den Moment, für sich - eben für die Liebe. Unterschiede werden nicht wahrgenommen, nein, aus zwei Menschen wird ein Ganzes! Konflikte? Fehlanzeige!
Natürlich ist irgendwann die Flut an Glückhormonen vorüber,
der Verstand schaltet sich endlich ein. Und dann kommt es darauf an: Passt man
charakterlich zusammen? Sind die Lebens- und Zukunftsentwürfe kompatibel?
Wenn nicht, dann kommt ganz schnell das allseits bekannte böse Erwachen.
Das ursprüngliche "Ganze" bekommt kleine, dann größere
Risse.
"Passt" das Ganze nicht mehr - manche Paare brauchen für diese Erkenntnis einige Wochen, Monate oder gar Jahre -, so zieht sich mindestens einer beiden mehr und mehr zurück. Man muss seine wahren Trennungsabsichten nicht direkt äußeren: die Reduzierung der Sexualität und Kommunikation reichen hierfür schon aus. Das Thema Scheidung taucht dann immer auffälliger am Horizont auf.
In der Regel platzt die "Bombe", insofern wir hier von Langzeitpartnerschaften
sprechen, an einem ganz typischen Tag. Entweder "entdeckt" einer
eine eindeutige SMS mit entsprechendem Inhalt, die an den Partner gerichtet
ist (Stichwort: Affäre), oder aber es passiert ganz unspektakulär:
Einer der beiden offenbart emotionslos sinngemäß: "Hör
zu, es ist aus."
In der Regel gilt tatsächlich die Faustformel: Lieber ein Ende mit Schrecken
als ein Schrecken ohne Ende.
Findet die oben erwähnte innere Kündigung beiderseits schon über einen längeren Zeitraum hinweg statt, so wird die Trennungsankündigung meistens als eine Art Befreiung empfunden. Endlich ist es raus! Denn interessanterweise fällt es wohl der Mehrheit der Scheidungswilligen nicht leicht, die als unglücklich empfundene Partnerschaft zu beenden. Der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier.
Trotzdem passiert es recht häufig, dass einer der beiden vom Trennungsschmerz
regelrecht überrollt wird. Das Gewohnte ist nicht mehr. Angst macht sich
breit. Wie geht es weiter? Was passiert mit der gemeinsamen Wohnung? Was werden
die Eltern sagen? Welche Pflichten stehen nun an?
Ja, man kann sagen: Eine Trennung kann eine Grenzerfahrung sein. Aber es gilt
nach wie vor: Die Zeit heilt alle Wunden.
Nach ein paar Monaten oder Jahren sind meistens die Wunden verheilt. Eine Ausnahme
gibt es naturgemäß: Wenn einer der beiden innerhalb der Partnerschaft
zweigleisig gefahren und dann "übergesattelt" ist - und
den anderen vor vollendete Tatsachen gestellt hat, nach dem Motto: "Schatz,
ich habe mich vor Monaten neu verliebt, ich verlasse dich: tschüss!").
Trifft man sich nach einer "normalen" Trennung irgendwann wieder,
kann es sein, dass spontan wieder positive Gefühle beiderseits aktiviert
werden, schließlich hat man sich ja auch mal geliebt.
Doch Vorsicht! Bedenken Sie: Man hat sich irgendwann auch gestritten -
und getrennt!
Nun, die Sache mit dem Thema "Umgang mit dem Ex" ist nicht so einfach.
Stellen Sie sich vor, man stünde in einer Partnerschaft und würde
dem "Aktuellen" sagen: "Ach Schatz, heute habe ich meinen
Ex wiedergetroffen, nächstes Wochenende gehen wir zum Italiener!"
Wer würde da nicht von jetzt auf gleich eifersüchtig werden? Wägen
Sie also ab: Lohnt sich der Kontakt zum Ex? Kann der aktuelle Lebensabschnittsgefährte
das aushalten? Reden Sie mit allen Beteiligten offen und ehrlich über dieses
Thema.

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